project01_wwsiwDas Projekt

Was wir schon immer wollten ist weitestgehend unklar. Die Frage nach dem eigenen Willen löst eine Welle immer weiterer Fragen aus, die zu beantworten auf immer neue und sich widersprechende Antworten stößt. Noch schwieriger ist die Frage nach dem „Wir“. Wer ist damit gemeint? Die ganze Menschheit, die Familie, eine Interessensgruppe?

Anstatt diese Fragen großen Denkern zu überlassen, habe ich sie Menschen aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen gestellt. In dieser Audio-Installation werden die Antworten über mein analoges Modulsystem nach einem Zufallsmuster wiedergegeben und ebenso zufällig unterbrochen. Eine wesentliche Prämisse meiner Überlegungen zur generellen Kommunikation ist, dass gesprochene Information beim Rezipienten unterschiedlich und zerstückelt aufgenommen wird, wodurch der Kern einer Aussage oft stark verzerrt wird. Folglich muss behauptet werden, dass jeder Mensch ein völlig eigenes Verständnis für Schlussfolgerungen besitzt, das von vielerlei Beeinflussungen seiner Umwelt abhängt. Dieser Eindruck wird hier zusätzlich durch den Gebrauch von Klängen und Geräuschen verstärkt, da die Grundstimmung eines Zuhörers die Informationsaufnahme wesentlich beeinflusst. Demnach wird die Installation inhaltlich sowohl von mir als auch durch den Zufall selbst manipuliert.

Jede Audio-Installation ist anders und führt zu immer neuen Variationen von Inhalt und Ausdruck. Da es keinen Anfang und kein Ende gibt, ist der Zuhörer in einem Zufallsmoment gefangen, der ihn zu eigenen Überlegungen drängt.

Hier ist eine kurze Demonstration der Installation in stereo. Sie wird live allerdings quadrophonisch aufgeführt!

Hier wurde die Installation in einer Stereo-Version aufgeführt:

Die Fragen

Insgesamt wurden neun Personen befragt. Ich habe viel Wert darauf gelegt, dass alle Teilnehmer frei sprechen können und sich nicht in irgendeiner Art befangen fühlen. Daher werden sie anonym gehalten. So viel sei aber gesagt: Alle Personen stammen aus underschiedlichsten gesellschaftlichen Positionen, darunter ein BRK-Mitarbeiter, ein Pfarrer, zwei Schauspieler, eine Studentin, eine Leiterin eines Freiwilligenzentrums, usw.  Aus den sich zum Teil völlig widersprechenden Sichtweisen der Befragten ergeben sich erstaunliche Folgerungen und Zusammenhänge. Sie stellen ein Raster der aktuell gängigsten Auffassungen zu gesellschaftlichen Ansichten. Doch schlussendlich muss der Hörer selbst aus dem Gehörten seine persönlichen Gedanken entwickeln und Stellung beziehen, da ihm der vollständige Zusammenhang verborgen bleibt.

Die folgenden Fragen wurden gestellt:

  1. Waren Sie sich zu irgendeinem Punkt in Ihrem Leben bewusst darüber, einer Gruppe anzugehören, haben eine Gruppe unterstützt oder haben sich einer Gruppe entgegengestellt? Wie kam es dazu?
  2. Glauben Sie an eine One-World-Philosophie und warum?
  3. Glauben Sie, dass Ihr Umfeld zuerst Ihr Charisma wahrnimmt und Sie danach beurteilt oder Ihr optisches Auftreten? Was halten Sie von diesen Urteilen? Empfinden Sie einen Druck dazugehören zu müssen?
  4. Haben Sie zu Schulzeiten einen Gruppenzwang gespürt? Falls ja: Haben Sie das Gefühl, dass dieser heute weg ist oder nur verschleiert weiter existiert? Falls nein: Wie ist es heute?
  5. Wenn Sie etwas tun, denken Sie dann über die Konsequenzen nach? Es geht um normale Tätigkeiten wie Einkaufen oder Herumfahren. Denken Sie manchmal darüber nach, wie Sie genau in diesem Moment andere Menschen sehen könnten?
  6. Haben Sie das Gefühl, Sie müssten in dieser Befragung Ihre Antworten beschönigen, weil Sie Angst davor haben, was ich oder die Zuhörer darüber denken könnten?
  7. Haben Sie manchmal das Gefühl nicht Sie selbst zu sein – als würden Sie sich als eine Art Schauspieler in dritter Person sehen, den Sie handeln lassen, damit Sie es einfacher haben? Wie kann man sich das vorstellen? Was empfinden Sie dabei?
  8. Empfinden Sie manche TV-Werbungen als Drohung? Zum Beispiel der Satz „… und Sie können das auch!“
  9. Glauben Sie, dass wenn man es weit bringen will, wirklich über Leichen gehen muss? Oder anders gefragt: Glauben Sie, dass jeder, der anerkannt ist, ob in Politik, Wirtschaft, Medien oder Kunst über Leichen gegangen ist – dass das Bild, das man in Zeitung und Fernsehen von ihm/ihr sieht, lediglich eine Kampagne ist?
  10. Glauben Sie, dass Sie sich in die Gesellschaft einbringen können, also einen Mehrwert für die Gemeinschaft darstellen? Glauben Sie, dass das überhaupt wichtig ist? Betrachten Sie die Gesellschaft als etwas Lohnenswertes oder eher als einen goldenen Käfig?
  11. Glauben Sie, dass Freiheit eine Kampagne ist? Was ist Freiheit? Wann fühlen Sie sich frei?
  12. Was denken Sie ist Wille? Will der eigene Verstand etwas oder will der Körper etwas und das Gehirn interpretiert das lediglich? Glauben Sie, es gibt so etwas wie einen genetischen Willen oder einen gesellschaftlichen?
  13. Glauben Sie, ein Mensch hat einen Wert? Wie wird dieser Wert gemessen? Bilden wir uns den Wert nur ein, um zu verdrängen, dass wir gar nicht wichtig sind? Ist ein Wert zu haben überhaupt anstrebenswert?
  14. Glauben Sie, dass es eine allumfassende Moral gibt? Wie sieht diese aus? Wenn es sie gibt, warum halten sich nicht alle daran?
  15. Glauben Sie, dass es eine Negativgesellschaft gibt, also in der alles gut ist, was wir als schlecht empfinden (heute oder in der Zukunft oder rein fiktiv)? Falls sie existiert, dann haben deren Werte ja auch eine Gesellschaftsform hervorgebracht. Ist das dann nicht auch gut?
  16. Was wollten Sie schon immer?